Callcenter

Ich (19), arbeitete für ein halbes Jahr in einem Call-Center. Der Betrieb führte Radioumfragen durch. Wir riefen Leute an und versuchten sie von einem Interview zu überzeugen. Trotz aller Abweisungen immer noch weitaus angenehmer, als Produkte verkaufen oder unzufriedene KundInnen betreuen zu müssen. Der Lohn war allerdings auch recht niedrig mit 6 Euro pro Stunde, unter Umständen mit 7 Eruo stündlich an einem Samstag. Die Arbeitszeiten lagen unter der Woche vom späten Nachmittag bis zum frühen Abend. Dies ermöglichte vielen StudentInnen und SchülerInnen neben ihrer regulären Tätigkeit diesen Job auszuführen.

Das Call-Center hat rund 50 Mitarbeiter, dennoch sind die Chefs angewiesen auf jedeN Telefonisten/in, um die Vertragsbedingungen mit den Radiosendern zu erfüllen. Es kommt nicht selten vor, dass man nach extra Schichten gefragt wird. Dies hat aber zum Vorteil, dass im Umkehrschluss, keine Repressionen von den Vorgesetzten zu erwarten sind, wenn man Dienstzeiten absagt, teilweise auch, wenn diese sehr kurzfristig. Atteste müssen in der Regel nicht gezeigt werden. Allerdings gibt es, wie in fast jedem Minijob auch kein Krankengeld, auch fest geregelter Urlaub ist nicht vorhanden und muss individuell gestattet werden, was nach meiner Kenntnis immer der Fall. Das Gehalt kam so gut wie immer pünktlich (innerhalb der ersten drei Tage des Monats).

Man musste mindestens 2 Dienstzeiten wöchentlich und durfte maximal 15 Dienstzeiten monatlich belegen. Die Dienstzeiten hatten jeweils eine Länge von 4,5 Stunden, wovon man sich eine viertel Stunde Pause, in einen bzw. zwei kurze Blöcke einteilen konnte. Die Grundstimmung in der Belegschaft war weitgehend offen, sogar das Verhältnis zu den vorgesetzten war verhältnismäßig angenehm. Einziger wirklich störender Umstand war, dass die vorgesetzten immer unter dem Vorwand der „Qualitätskontrolle“ die Gespräche der TelefonistInnen mithören konnten. Es gab kostenlos Kaffee und Tee, soviel man wollte und kostenpflichtige, recht teure Snacks.

Das Essen, nicht jedoch das Trinken, war während des Telefonierens nicht gestattet. Auch so war meist jegliche Nebenbeschäftigung untersagt. Man durfte nicht lesen, nicht sein Handy nutzen oder Solitär etc. nebenher spielen. Eine Lücke gab es im Gestatten von Malen (bzw. inoffiziell auch schreiben), welch gerne genutzt wurde, denn der Job war trotz gelegentlicher Lacher, unglaublich(!) monoton.

Mit KollegInnen enger in Kontakt zu kommen war, trotz des lockeren Klimas weniger einfach, als gedacht. Versetzte und unregelmäßige Arbeitszeiten, sowie das unterschiedliche Nehmen von Pausen, führten dazu, dass kaum tiefgehende Gespräche geführt werden konnten. Ich habe trotzdem einen sozialen Kontakt aufgebaut, ganz unmöglich war es nicht. Sowieso arbeiteten hier ganze Freundes- und Familienkreise im Betrieb.

Die Bilanz: Der Lohn war derartig niedrig und die Arbeit im Gegensatz so monoton, dass ich den Job nur gemacht habe, weil er direkt um die Ecke meines Wohnortes lag und somit Anfahrtszeiten quasi komplett wegfielen. Das Arbeitsumfeld selbst war allerdings okay (KollegInnen, (kurzfristige) Absagen möglich, Getränke etc.)

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