Bauhaus

Fang ich mal mit meinem Vertrag an. Bestandteil des Vertrags war ein „Bewerberbogen“, hier wurde nichts überraschendes gefragt außer die Frage danach wann und wo ich gemustert wurde und mit welchem Tauglichkeitsgrad. Das fand ich sehr merkwürdig und ließ diese Frage einfach aus, ich glaub nicht das ich sowas ausfüllen muss, da hat sich aber auch niemand beschwert. Wie üblich musste ich auch mein Führungszeugnis abgegeben, ich war dafür einmal beim Bürgeramt, war mir aber zu lange Warten also bin ich gegangen und hab seit dem vergessen das zu beantragen, hat sich bisher auch niemand beschwert.

Am Anfang war ich ganz fröhlich mit meinem Job als Aushilfe in der Gartenabteilung, die Arbeit war halbwegs abwechslungsreich, ich hatte mit Pflanzen zu tun, war den ganzen Tag draußen und ich verstand mich super mit meinen KollegInnen. Anfänglich ließ ich mich sofort vom Arbeitstempo der anderen MitarbeiterInnen mitreißen. Ich erledigte jede Aufgabe so schnell wie möglich, von A nach B laufen war eher rennen als laufen, mal kurz rumstehen und nichts tun?- dann fühlte ich mich beobachtet und unwohl, kurz ne Kippe rauchen?- nee, lieber nicht nicht, muss ja noch dies und jenes tun. Irgendwann fiel mir das auf. Warum sollte ich mich so hetzen und nach der Arbeit voll fertig sein? Der Lohn bleibt bei beschissenen 6,50 Euro und ich muss trotzdem 50 Stunden im Monat arbeiten. Seit dem ließ ich mir bei jeder Aufgabe Zeit, die ich erledigte, ich machte sie nicht extra langsam, ich hetzte mich aber auch nicht. Wenn ich Lust hatte ging ich auch für paar Minuten raus, um eine zu Qualmen. Gelegentlich kam es auch vor das ich dann mal so für 20 Minuten weg war um mir ein Brötchen oder Tabak oder was anderes zu kaufen, das ist nie jemanden aufgefallen und auch wenn ich nur vier Stunden am Stück arbeitete tat so eine kleine Pause immer sehr gut.

Bei Gesprächen mit KollegInnen kamen auch erstaunliche Sachen raus. Fachpersonal wird immer mehr gekürzt, das übrig gebliebene Fachpersonal muss immer mehr Papierkram machen, es werden nur noch Aushilfen eingestellt, diese müssen aber immer mehr Fachkenntnisse haben. Dann hörte ich noch, dass zwei Monate bevor ich kam es eine Umstrukturierung bei den Aushilfen gab. Vorher bekam eine Aushilfe 8,50 Euro und musste minimal 40 Stunden im Monat arbeiten, nun sind es 6,50 Euro bei 50 Monatsstunden. Dann wurde der Vertrag meiner Vorgesetzten, eine sehr liebe und verständnisvolle Person, nicht verlängert wurde. Ein oder zwei Kleinigkeiten wurden ihr zur Last gelegt, aber der eigentlich Grund war, dass sie zu „menschlich“ war, wurde in der Abteilung gemunkelt. Ich hatte Wut auf diesen Betrieb, sowieso war ich überlastet mit 50 Stunden im Monat. Ich machte immer mehr und längere von meinen kleinen Pausen, steckte mal hier mal da was Kleines ein.

Irgendwann war dann wirklich genug, ich kündigte fristgerecht. Mir wurde gesagt, ich müsse ja noch einige Stunden aufholen, da ich ja an zwei Arbeitstagen krank gewesen bin, ich zeigte denen aber einen Vogel und sagte auch ich als Aushilfe habe ein Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, nach ein bisschen gebrummel musste mir dies zugestanden werden. Auch beanspruchte ich meinen mir noch zustehenden Urlaub unter überraschten Blicken der Personalabteilung, anscheinend sind die sowas von einer Aushilfe nicht gewohnt gewesen.

Dies alles erzählte ich anderen Aushilfen-KollegInnen, wovon fast alle sehr überrascht waren zu hören, dass wir Anspruch auf Lohnfortzahlung und Urlaub haben, diese aber sehr glücklich wren sowas zu erfahren.

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