Blume 2000

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Ein paar Wochen vorm Muttertag fragte mich eine Freundin, ob ich nicht mit ihr und anderen Freunden drei Tage lang in einer Lagerhalle Pakete für den Muttertag von Blume 2000 packen wolle. Wie immer konnte ich Geld gebrauchen und fragte noch weitere Menschen aus meinem Umkreis, ob sie nicht auch Lust hätten. Um den Job machen zu können, mussten wir uns bei einer Leiharbeitsfirma anmelden, welche uns dann weiter vermittelte.
Die Rahmenbedingungen waren folgende: Es gab drei Arbeitseinsätze jeweils von 18 bis 6 Uhr für 7,20 Euro die Stunde plus Nachtzuschlag von 15%. Unsere Aufgabe bestand darin Pakete (Blumen + Brief + Schnickschnack) je nach Auftrag zu fertigen.
Und so kam der Tag unseres ersten Arbeitseinsatzes. Unsere Gruppe bestand aus elf Menschen, die sich alle direkt oder indirekt über andere kannten. Insgesamt waren es 32 Menschen, die die tausenden Pakete packen sollten. Es gab eine kurze Arbeitseinweisung, dann wurde unterteilt wer als erstes welche Aufgaben übernehmen sollte. Die Arbeit war größten teils sehr monoton, immer wieder die gleichen Handgriffe und das rasche Tempo wurde von den VorarbeiterInnen vorgegeben. Am Anfang ließen wir uns von dem Tempo mitreißen, konzentrierten uns darauf die Arbeit richtig zu machen und redeten relativ wenig. Nach sich endlos anfühlenden Stunden dann die erste Pause. Unsere Gruppe fand sich zusammen um zu Essen – einige hatten Salate u.ä. für alle vorbereitet – und sich über die Arbeit auszukotzen. Andere jüngere Kollegen gesellten sich schnell zu uns und so saßen also 15 Leute, quasie die Hälfte der Belegschaft, zusammen und quatschte munter. Die Pause war zu ende, also wurden noch schnell ein paar Schlücke genommen und aufgeraucht. Nun lockerte sich die Stimmung von uns auch bei der Arbeit. Einige stellten sich gegenseitig Rätsel, andere erzählten Geschichten, wieder andere hörten Musik. Die nächste Pause und dann auch irgendwann der Feierabend kamen gefühlt viel schneller. Netterweise durften wir sogar 20 Minuten früher Schluss machen, da das Pensum für den Tag schon erreicht war.
Am nächsten Tag freute ich mich auch ein bisschen zur Arbeit zu kommen, um alle Leute wiederzusehen. In der erste Pause merkte man aber doch recht deutlich eine starke Erschöpfung aufgrund der zwölf Stunden Arbeit vom Vortag. Auch die sich nicht wirklich Veränderten Arbeitsschritt gingen mittlerweile stark auf die Psyche. Als die Pause zu ende war, fühlte sich niemand von uns danach schon wieder zur Arbeit zu schreiten und so blieben wir länger, quatschten, tranken, aßen und rauchten einfach weiter. Zehn Minuten nach Ende der Pause wurde ein Kollege geschickt , um uns zur Arbeit zu holen. Wir ließen uns Zeit. Zurück in der Halle gab es böse Blicke vom Vorarbeiter und die Bemerkung, dass die Pause ja schon lange vorbei wäre. Aufgrund der Müdigkeit wurden wir deutlich langsamer in unserer Arbeit, die Klopausen wurden länger und wenn man sich nicht beobachtet fühlte, setzten sich Leute auf den Boden um sich auszuruhen oder hielten kurz inne mit ihrer Arbeit. Unverständlicherweise beschwerte sich andere KollegInnen , die nach uns in der Arbeitskette waren, dass wir mal schneller arbeiten sollten. Nach der zweiten Pause um Mitternacht rum, mit dem Bewusstsein, dass noch sechs Stunden zu arbeiten sind, sank die Arbeitsbereitschaft unserer Gruppe, jedoch stieg die Stimmung. Es wurde munterer gequatscht und immer öfter und länger die Arbeit kurz unterbrochen. Nachdem dem Vorarbeiter mitgeteilt wurde, dass wir Raucherpausen bräuchten, dieser aber keine genehmigte, fanden sich immer wieder Menschen draußen zusammen, welche kurz aufeinanderfolgend „aufs Klo mussten“. Dann ein Stimmungsdämpfer: Zwei Menschen unserer Gruppe sollten bitte umgehend zum Schichtleiter. Dieser mahnte die beiden, richtig zu arbeiten und wenn sie keine Lust mehr hätten, dann sollten sie sich doch abmelden und nach Hause gehen. Dann endlich feierabend. Iten Stunden merkte man die körperliche Anstrengung, die Monotonie ließ unsere Gehirne zu Brei werden, ohne die Ablenkung durch Gespräche und das gelegentliche Ausruhen in unseren Raucherpausen und innehalten der Arbeit wäre ich völlig fertig gewesen.
Am nächsten Tag, kurz vor unserem nächsten Arbeitseinsatz, wurden dann die beiden ermahnte Menschen von der Leiharbeitsfirma angerufen, und mitgeteilt, dass der Auftraggeber sie nicht mehr benötigte. Die anderen Menschen aus unserer Gruppe wurden schnell darüber informiert. Einige beschlossen, dass wenn die beiden nicht wieder eingesetzt würden, auch nicht zur Arbeit zu gehen. Das wurde der Leiharbeitsfirma auch mitgeteilt. Als wir keine Bestätigung bekamen, dass die beiden „rausgeworfenen“ nicht wieder eingesetzt werden, blieben viele unserer Gruppe zu Hause. Blume 2000 wird sich höchstwahrscheinlich über ihre Entscheidung geärgert haben, denn am Vortag wurde uns mitgeteilt, dass noch tausende Pakte zu packen seien, da wir leicht in Verzug geraten waren und noch sehr viele Neubestellungen dazu kamen.

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