Trinkgeld

Der Betrieb, speziell vertreten durch den Chef, darf das vom Mitarbeiter erhaltene Trinkgeld in keinem Fall einbehalten, als wäre es eine übliche Betriebseinnahme. Ein Einbehalten des Trinkgelds durch den Chef ist prinzipiell nur erlaubt, wenn der Mitarbeiter dem zuvor ausdrücklich im Rahmen seines Arbeitsvertrags zugestimmt hat.
Bei einigen Jobs, z.B. in der Gastronomie, ist es üblich, dass KundInnen den Angestellen Trinkgeld geben. Oft kommt die Frage auf, wem dieses gehört und ob der/die ChefIn ein Anrecht darauf hat.

Trinkgeld ist eine Schenkung des/der KundIn an den/die ArbeitnehmerIn

In der Gewerbeordnung heißt es: „Trinkgeld ist ein Geldbetrag, den ein Dritter ohne rechtliche Verpflichtung dem Arbeitnehmer zusätzlich zu einer dem Arbeitgeber geschuldeten Leistung zahlt.“
Dies heißt also, es ist kein Teil des Lohnes und deswegen darf der/die ArbeitgeberIn nicht darüber verfügen. Auch ist das Trinkgeld, egal in welcher Höhe, von der Einkommenssteuer befreit. Das bedeutet allerdings noch nicht zwingend, dass Trinkgelder nicht zumindest vorübergehend auch durch die Hände des Chefs laufen dürfen!
DeinE ChefIn muss allerdings nicht dafür sorgen, dass du Trinkgeld bekommen kannst. So hat man z.B. Pech gehabt, wenn man in einem Betrieb arbeitet, bei dem nur mit Karte gezahlt wird.
In einigen Betrieben ist es aber üblich, dass das Trinkgeld aller Beschäftigten in einen Topf geworfen wird und am Ende auf alle ArbeitnehmerInnen gleichmäßig aufgeteilt wird. Dies ist eine sehr solidarische Vorgehensweise und schließt fairerweise auch die ein, die kein Trinkgeld bekommen.

Trinkgeld ist kein Lohnersatz!
Oft werden Beschäftigte im Service mit niedrigeren Stundensatz bezahlt, weil sie Zugriff auf zu erwartende Trinkgelder haben. Das ist zwar unstreitig zulässig, doch ArbeitgeberInnen verlieren damit auch jeden Anspruch auf das Geld zuzugreifen.
Es kommt auch vor, dass das Personal in umsatzschwachen Zeiten zu attraktiven Konditionen beschäftigt wird, wofür diese freiwillig auf Trinkgelder verzichten. Diese Ausgleichsform ist möglich, die Angestellten müssen dem aber ausrücklich zustimen. Es ist dann aber nicht zulässig, später in umsatzstarken Zeiten auf eine Trinkgeldauszahlung zu bestehen. Diese ist für die Angestellten nur noch sehr schwer zu erkämpfen.

Trinkgeld ist niemals Unkostenbeteiligung
Teilweise versuchen Chefs über einbehaltenes Trinkgeld, angeblich von dir oder deinen KollegInnen mittelbar oder schuldhaft verursachte Kosten auszugleichen. So gibt es z.B. Schadenersatzforderungen für zerbrochene Gläser, Bereitstellung von angeblichen Trinkgeldförderern wie kostenlos abzugebende Schnäpse und vieles mehr, dass vom Trinkgeld bezahlt werden soll. Diese Versuche sind absolut nicht rechtskräftig, da Risiken und Unkosten vom Betrieb selbst ausgeglichen werden müssen. Der Zugriff auf Trinkgelder ist mit dieser Begründung nicht erlaubt.

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